Dauerkrank-Lehrerin wegen Betrugs angeklagt

17 Jahre krankgeschrieben bei vollem Gehalt – samt Lohnerhöhungen und Entschädigungen für entgangene Urlaube. Mit diesem Lehrer-Leben sorgte eine Studienrätin (62) aus Duisburg für Wirbel. Doch das süße Nichtstun hat für die Frau möglicherweise ein bitteres Ende: Die Staatsanwaltschaft hat sie jetzt wegen besonders schweren Betrugs angeklagt.

Ihr Fall hatte bundesweit für Empörung gesorgt. Seit 2009 war sie nicht mehr im Berufskolleg Wesel (NRW) erschienen. Nach dem Studium hatte die Biologie- und Geografielehrerin dort angefangen. 2009 meldete sie sich wegen psychischer Probleme krank, ließ die Atteste immer wieder verlängern. Doch es tauchten berechtigte Zweifel auf, ob sie tatsächlich nicht arbeitsfähig war.

Ehemaliger Schulleiter kennt die Lehrerin gar nicht
Als 2015 ein neuer Schulleiter kam, war die Frau an seiner Schule längst zum Phantom geworden. Er habe den Namen der Lehrerin noch nie gehört, erklärte er gegenüber BILD. Erstaunlich: Noch einmal vergingen neun Jahre, bis die dauererkrankte Studienrätin mit den vollen Bezügen im Frühjahr 2024 endlich der Schulaufsicht auffiel. Polizei und Staatsanwaltschaft nahmen die Ermittlungen auf, durchsuchten ihre Wohnung.

Jetzt hat eine Staatsanwältin Anklage zur Großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg erhoben. Sprecher Felix Bachmann am Dienstag: „Es besteht gegen die Angeschuldigte hinreichender Tatverdacht des Betrugs in elf besonders schweren Fällen sowie der Urkundenfälschung in zwei Fällen.“ Allein zwischen März 2021 und März 2025 sei ein Schaden von 248.000 Euro entstanden – die Fehlzeiten davor sind bereits verjährt. Den Ermittlungen zufolge soll die Lehrerin zehn Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen eingereicht haben, um ihren Arbeitgeber zu täuschen. Als im September 2025 schon ein Disziplinarverfahren gegen sie lief, habe sie erneut solche Dokumente vorgelegt, obwohl sie dienstfähig war.

Tauchbescheinigungen offenbar gefälscht
Der Verdacht, dass die Studienrätin stattdessen als Heilpraktikerin gearbeitet hat, bestätigte sich bei den Ermittlungen nicht. Damit sie während ihrer angeblichen Krankheitszeit weiter tauchen gehen konnte, soll sie noch zwei Tauchtauglichkeitsbescheinigungen selbst erstellt haben. Die Ärztin, die das Dokument angeblich ausstellte, gibt es laut Staatsanwaltschaft nicht.

Die Lehrerin wollte sich während der Ermittlungen gegenüber BILD nicht äußern, ebenso wie ihr Anwalt. Auch gegenüber der Polizei schwieg die Frau, hieß es. Derzeit klagt sie gegen ihre Versetzung in den Ruhestand. Allein wegen schweren Betrugs drohen ihr bis zu zehn Jahre Haft. Jetzt muss das Landgericht Duisburg über die Zulassung der Anklage entscheiden.

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